20. Juni

2024

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Key Words:

Disability

Young people

Inclusion

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Studieren mit Behinderungen –

Uni for all

 

Welche Barrieren (sozial und baulich) erleben Menschen mit Behinderungen an der Universität Innsbruck und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um die Barrierefreiheit bzw. Inklusion zu verbessern und Studierenden mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu ermöglichen? Dieser Frage widmeten wir – Vesna Coutureau, Thomas Gfrerer und Luisa von Gostomski – uns als studentische Forschungsgruppe des Masterstudiums Geographie: Globaler Wandel – Regionale Nachhaltigkeit. Über drei Semester hinweg haben wir im Zuge des Vertiefungsmoduls „Enabling Cities“ unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Tabea Bork-Hüffer, Johannes Melchert, MSc und Jan Misera, MSc und in Kooperation mit der Behindertenbeauftragten der Universität Innsbruck, Bettina Jeschke, eigenständig ein Mixed-Methods Forschungsdesign entwickelt und umgesetzt. Dabei kamen Methoden wie Fokusgruppen, Experteninterviews und mobiles Eye Tracking zum Einsatz. Die Ziele unserer Forschung waren: 1. auf die Vielfältigkeit von Behinderungen aufmerksam zu machen, 2. aufzuzeigen, wie das Studium beeinflusst werden kann, wenn (keine) Rücksicht auf Behinderungen genommen wird und 3. mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Herausgekommen ist eine spannende Podcast-Serie mit Studierenden mit Behinderungen, die ihre Erfahrungen sowie Tipps und Tricks mit uns teilen. Wir haben zwei Versionen aufgenommen: eine in Leichter Sprache und eine in Schwerer Sprache.

Dein/Ihr Interesse ist geweckt? Horch/en Sie hinein in die Berichte der Studierenden zu ihren spannenden Geschichten!

Die Folgen 1 bis 4 sind auch in leichter Sprache verfügbar.

© European Easy-to-Read Logo: Inclusion Europe. More information at www.inclusion-europe.eu/easy-to-read

Folge 1: Einführung

Du fragst dich: Wie unterschiedlich sind Behinderungen? Antworten dazu findest du in unseren Podcast-Folgen!

Transkript (Leichte Sprache)

Es gibt viele verschiedene Arten von Behinderungen.

Manche Menschen können schlecht sehen oder hören.

Andere haben Schwierigkeiten sich zu bewegen Es gibt auch Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Manche Behinderungen sind sichtbar, wie zum Beispiel im Rollstuhl sitzen.

Andere Behinderungen sind unsichtbar wie Autismus oder ADHS.

Jede Person ist einzigartig.

Es gibt viele verschiedene Behinderungen.

An der Universität gibt es viele Hindernisse.

Die Hindernisse sind für jeden Menschen andere.

Das macht es schwierig eine Universität ohne Hindernisse zu haben.

Aber das ist immer das Ziel.

Jetzt stellen wir euch verschieden Behinderungen vor.

 

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast “Hörsaal ohne Barrieren”. In diesem Podcast wollen wir, das sind Luisa, Thomas und Vesna, uns mit dem Thema Barrierefreiheit an der Universität Innsbruck beschäftigen. Wir sind Masterstudierende der Geographie und machen diesen Podcast im Rahmen der Vertiefungsrichtung “Enabling Cities”. Heute werden wir euch an das Thema Barrierefreiheit und Behinderungen heranführen. In den nächsten Folgen haben wir spannende Gästinnen und Gäste eingeladen, die ihre persönlichen Erfahrungen mit uns teilen.

Zum Start werden wir jetzt erstmal definieren, was eine Behinderung überhaupt ist und was in diesem Zusammenhang Inklusion und Barrierefreiheit bedeuten:

Was ist eine Behinderung?

Laut der Behindertenrechtskonvention der UN zählen zu der Gruppe von Menschen mit Behinderungen “Menschen die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können”. Durch diese Definition wird deutlich, dass Behinderung im Zusammentreffen von individuellen Beeinträchtigungen und von Menschen gemachten, gesellschaftlichen, Barrieren entsteht. Damit wird auch klar, dass Behinderung eine Konstruktion ist, die von den jeweiligen historischen, kulturellen und politischen Bedingungen beeinflusst wird. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist mittlerweile von fast allen UN-Mitgliedsstaaten ratifiziert und muss dort in nationales Recht umgesetzt werden, so auch in Österreich.

Jetzt wissen wir schon besser was es mit dem Begriff Behinderung auf sich hat.

Was ist denn jetzt Inklusion?

Aktion Mensch definiert den Begriff folgendermaßen: “Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Oder anders: Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen. Egal wie du aussiehst, welche Sprache du sprichst oder ob du eine Behinderung hast. Zum Beispiel: Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in der Schule. Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion”. In der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Recht auf Inklusion festgeschrieben. Doch Österreich und die anderen Länder müssen noch viel dafür tun, damit der Vertrag wirklich eingehalten wird.

Wie wird Inklusion geschaffen?

  1. durch Beteiligung und Selbstbestimmung – die Zielgruppen, also zB.. Studierende mit Behinderungen, sollen miteinbezogen werden, wenn es darum geht Ziele zu formulieren und zu überlegen, wie diese erreicht werden können
  2. durch Barrierefreiheit – indem Hindernisse abgeschafft werden. Alle Menschen können dann die Angebote nutzen. Dabei soll jede oder jeder so unterstützt werden, wie sie oder er es braucht
  3. indem unterschiedliche Menschen miteinander zusammenarbeiten

Derzeit leben rund 400.000 Menschen mit Behinderung mit einem Behindertenpass in Österreich. Ein selbstbestimmtes Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft sind für Menschen mit Behinderung sehr wichtig. Dazu zählt auch Studieren.

Jetzt haben wir die wichtigsten Begriffe für unseren Podcast geklärt. Die nächsten Folgen werden sich dann jeweils um eine bestimmte Beeinträchtigung drehen und wir sprechen mit Studierenden, die über ihre Erfahrungen an der Uni erzählen werden. Außerdem haben wir am Ende noch eine Folge zusammen mit der Behindertenbeauftragten Bettina Jeschke, die sich um Tipps und Tricks für Studierende an der Universität dreht, also wenn ihr euch da informieren wollt, dann schaltet gerne wieder bei uns ein.

In der nächsten Folge geht es um die Autismus-Spektrum-Störung, bei der wir gleich drei Studierende zu Gast haben, also es wird auf jeden Fall spannend!

Wir freuen uns, wenn ihr wieder einschaltet, bis dann!

 

Quellen:

https://www.behindertenrechtskonvention.info/definition-von-behinderung-3121/

https://www.bpb.de/themen/inklusion-teilhabe/behinderungen/521026/behinderung-was-ist-das-eigentlich/

https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion

https://www.lebenshilfe.at/inklusion/mehr-zu-inklusion/

 

Folge 2: Autismus-Spektrum-Störung

Viele Studierende haben Schwierigkeiten mit großen Gruppen von Menschen. Wusstest du das?

Transkript (Leichte Sprache)

Menschen mit Autismus nehmen die Welt anders wahr.

Autismus ist unterschiedlich.

Autismus ist eine Entwicklungsstörung.

Das heißt, die Informationen werden anders wahrgenommen.

Es gibt viele verschiedene Formen von Autismus.

Das schwere Wort heißt: Autismus-Spektrum-Störung.

Autisten halten nur schwer Blick-Kontakt mit anderen aus.

Sie fühlen sich selbst oft unverstanden.

Das führt bei ihnen zu Stress und Missverständnissen.

Autisten hilft im Alltag:

  • ein fester Rahmen
  • ein klarer Tages-Ablauf
  • wenig Lärm
  • auf Veränderungen vorbereitet zu werden

Anna ist Autistin.

Menschenmassen machen sie nervös.

In vollen Hörsälen fühlt sie sich nicht wohl.

Anna kann sich dann schlecht konzentrieren.

Ihr fällt es schwer eine Präsentation vor vielen Menschen zu halten.

Sie darf deswegen einen Text schreiben.

Sie muss keine Präsentation halten.

Anna wünscht sich, dass Menschen über Autismus Bescheid wissen.

 

Transkript

Vesna: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute widmen wir uns einem Thema, das einige Menschen betrifft, nämlich der Autismus-Spektrum-Störung.

Was?

Autismus ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Mit unterschiedlich starken Ausprägungsformen. Der Begriff Autismus-Spektrum-Störung (kurz ASS) wird als Oberbegriff für das gesamte Spektrum autistischer Störungen verwendet. Es gibt also nicht DEN Autismus.

Entstehung

Autismus gilt als angeboren und entwickelt sich nicht erst im Laufe des Lebens! ASS basiert nach heutigen Erkenntnissen auf genetischen und erblichen Faktoren.

Therapie

Es gibt keine Therapie, die Autismus “heilt”. Doch es gibt autismusspezifische Förder- und Leistungsangebote, die eine große Unterstützung für den Umgang im Alltag sein können.

Merkmale

Die Merkmale des frühkindlichen Autismus zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr und wird vor allem in drei Bereichen besonders deutlich:

  • im sozialen Umgang mit Mitmenschen, also dass sie soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen können und ebenso Schwierigkeiten haben, diese auszusenden.
  • in der Kommunikation, also dass die Fähigkeit Sprache gezielt einzusetzen um etwas Bestimmtes auszudrücken beeinträchtigt ist
  • in sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen. Es werden alltägliche Aufgaben starr und routiniert ausgeführt. Menschen mit ASS können große Probleme mit Veränderungen von Handlungsabläufen oder Details der persönlichen Umgebung haben und zum Teil sehr stark auf diese Veränderungen reagieren.

Zudem neigen Menschen mit ASS häufig noch zu einer Reihe weiterer psychischer Begleitstörungen wie Phobien, Schlaf- und Essstörungen.

Die Merkmale von autistischen Störungen sind in ihrer Zusammensetzung und ihrem Ausprägungsgrad von Person zu Person unterschiedlich.

Jetzt wissen wir schon besser, was eine Autismus-Spektrum-Störung ist. Aber wie beeinflusst das das Studium?

Studieren setzt grundsätzlich ein hohes Maß an Flexibilität voraus. Wenn eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegt, kann sowohl das Studieren selbst als auch die damit verbundenen sozialen Aspekte, wie Organisation, Kommunikation mit Kommilitoninnen und Dozentinnen zu einer Herausforderung werden. Um persönliche Eindrücke zu bekommen, haben wir dazu drei Gästinnen eingeladen.

Schön, dass ihr heute da seid. Könnt ihr euch bitte kurz vorstellen?

Mo: Ich wusste schon länger vor meiner Diagnose, dass ich Autistin bin, bin in meinem Heimatort aber nicht zu einer Diagnose gekommen. Da dort leider die Fachleute immer noch sehr in Stereotypen denken und davon ausgehen, dass hauptsächlich Männer Autismus haben können. Dann bin ich in Innsbruck durch Chiara über das Projekt SAAL zu meiner Diagnose gekommen.

Chiara: Ich bin seit wenigen Monaten mit Autismus diagnostiziert worden, seit Anfang des Studiums und habe auch über S-AAL meine Diagnose gekommen. Auf S-AAL bin ich durch Recherche aufmerksam geworden. Sie haben mir geholfen mit der Diagnose und dann weiterhin mit der Hilfe fürs Studium.

Franka: Ich habe meine Diagnose erst so seit zwei Monaten und hab mich auch bei der S-AAL diagnostizieren lassen auf raten von Chiara.

Vesna: Das 2021 gegründete Projekt S-AAL hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studierende der Universität Innsbruck mit Verdacht auf Aufmerksamkeitsstörungen, Autismus oder spezifischen Lernstörungen (Dyslexie und Dyskalkulie) zu unterstützen. Unsere Angebote sind gratis und beinhalten neben allgemeinen Informationen und individueller Beratung auch eine individuelle klinisch-psychologische Diagnostik.

Franka: Man vereinbart einen Diagnose Termin und das dauert so 11/2- 2h. Dort muss man Fragebögen ausfüllen und nach einer Woche bekommt man dann seine Auswertung. Die S-AAL teste auf Autismus bzw. ADHS also auf neurodivergenz.

Vesna: Besonders an der Folge ist, dass wir drei Gästinnen haben. Woher kennt ihr euch?

Chiara: Also ich kenne Mo durch das Soziologie Studium, obwohl wir beide jetzt Psychologie studieren. Und Franka kennen wir mittlerweile durch das Psychologie Studium. Wir sind in der gleichen Freundesgruppe.

Vesna: Wie ist es andere Studierende mit ASS um sich zu haben?

Chiara: Für mich ist es sehr erleichternd. Vorher kannte ich keine Person mit ASS und es ist gut zu wissen, dass ich andere Menschen um mich habe die die gleichen Probleme haben. So kann man sich gegenseitig helfen und unterstützen. Vor allem in der Uni oder im sozialen Umfeld. Mir hat es sehr geholfen diesen Stützpunkt zu haben.

Mo: Es ist auch irgendwie leichter um Hilfe zu fragen, bei Leuten die verstehen wie es dir geht.

Vesna: Wie beeinflusst euch euer Autismus im Studium?

Mo: Ich bin schnell überfordert und bekomme schnell Kopfweh wegen den Reizeinflüssen, wie Lärm. Was immer besteht, wenn 200 Leute in einer Vorlesung sind. Große Menschenmengen machen mich generell sehr nervös. Das alle sin Kokmbination zieht leider sehr viel Energie. Deshalb versuche ich mir gut einzuteilen, zu welchen Vorlesungen ich gehe. Alle, die man streamen kann, schaue ich von zu Hause an. Und in längeren Pausen geh ich nach Hause anstatt in der Uni zu bleiben

Chiara: Ich hab das gleiche Problem mit Menschenmassen. Ich bin nicht ganz so überfordert wie Mo, aber bei 200+ Menschen werde ich sehr nervös. Bei mir spielen auch grelle Lichter eine große Rolle, davon bekomme ich Kopfweh.

Franka: Ich kann zu sehr vielen Vorlesungen nicht gehen, wegen Reizüberflutung. Ich brauche grundsätzlich länger, um zu lernen, als jetzt eine Durchschnittsperson. Wenn man dann keine Energie hat, in die Vorlesung zu gehen, fällt man immer weiter zurück. Und dann hat man auch keine Energie, sich alles zu Hause anzueignen. Das ist ein Teufelskreis.

Chiara: Definitiv. Die Welt für “normale” Menschen ist einfach zu schnell und nicht für uns Autist:innen gemacht. Und es kann vor allem in der Uni zu großen Problemen führen. Dass man nicht mehr die Motivation oder Kraft hat zu Vorlesungen zu gehen, oder sicht mit anderen Menschen zu treffen. Ich glaube manche Menschen verstehen, dass einfach nicht, dass das schwierig ist.

Vesna: Gibt es Orte, an denen ihr euch gut konzentrieren könnt oder gut lernen könnt? Gibt es so einen Ort an der Uni oder fehlen die?

Chiara: Also für mich fehlt so ein Ort an der Uni. Weil ich Schwierigkeiten habe vor anderen Leuten zu lernen. In der Uni kann ich mich überhaupt nicht konzentrieren. Am liebsten lerne ich zu Hause, weil ich da ungestört die Sachen laut vor mir hersagen kann.

Mo: Meine Freunde lernen halt oft gemeinsam in der Uni. Aber es bringt absolut nichts für mich, weil ich die Stimmen aus dem Lärm nicht herausfiltern kann und ich mich nicht konzentrieren kann. Für mich sind so kleine Hintergrundgeräusche schon Lärm. Ich finde das schade, weil ich würde gerne ein bisschen sozial sein und gemeinsam mit anderen lernen, aber das geht halt nicht.

Franka: Ja ich finde die meisten Orte auch recht ungeeignet zum Lernen. Also ich hab auch daheim auch keinen Raum für mich wo ich lernen kann. Deshalb ist es etwas schwierig. Der einzige Ort in der Uni wo ich halbwegs gut lernen kann ist die SoWi Bib. In der SoWi gibt es viel natürliches Licht, die Tische stehen mit viel Abstand und man sitzt sich nicht gegenüber. Aber meine Konzentrationsspanne ist nach einer Stunde vorbei. Also lernen ist sehr schwierig für mich.

Chiara: Bei mir ist das auch so. Ich habe glaube ich nie darüber nachgedacht. Die einzige Bib in der ich manchmal lernen kann ist die SoWi Bib. Weil sich meine Freunde immer zum Lernen treffen, habe ich oft das Gefühl, etwas zu verpassen.

Mo: Ja! Auch wenn ich weniger in die Uni gehe, um mehr Energie fürs Lernen oder generell Leben zu haben, dann hat man immer das Gefühl etwas zu verpassen. Aber man kann auch nicht wirklich dabei sein, weil es zu anstrengend ist.

Chiara: Bei manchen Fächern wäre es eigentlich so, dass ich die Lernunterstützung brauche. Aber ich schaffe es einfach nicht, mit anderen Leuten zu lernen. Das widerspricht sich sehr.

Franka: Es fühlt sich manchmal so an, als würde es nicht den richtigen oder einen angenehmen Weg geben.

Chiara: Das Gefühl habe ich bei vielen Sachen mit Autismus.

Vesna: Habt ihr besondere Strategien, um euch bei den Lehrveranstaltungen besser konzentrieren zu können und den Studienalltag zu bewältigen? Oder seid ihr noch auf der Suche?

Chiara: Weil mich Menschenmengen stören, sitze ich in den Vorlesungen ganz vorne, weil ich dann die Menschen nicht sehe. Dann kann ich mich besser konzentrieren. Außerdem hört man weniger Geräusche wenn man vorne sitzt, weil die meisten hinten sitzen.

Franka: Es ist tatsächlich hilfreich, vorne zu sitzen. Ich suche mir immer die wichtigste Vorlesung an dem Tag aus und zu der gehe ich dann hin. Und zum Rest gehe ich öfter mal nicht hin, um mich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren. Ich habe ja erst vor kurzem meine Diagnose bekommen und muss jetzt erstmal neue Lernstrategien entwickeln.

Mo: Bei den Vorlesungen mache ich es gleich wie Franka. Wenn ich in Vorlesungen geh, dann habe ich immer ein leises Fidget Toy dabei. Damit ich was für die Finger habe, wenn ich nicht gerade konzentriert mitschreibe. Ich habe auch immer Noise Cancelling Kopfhörer gegen den Lärm dabei. Ich habe jetzt auch Ohrstöpsel, die Hintergrundgeräusche herausfiltern, dass ich besser höre, was der Prof sagt.

Chiara: Ich habe auch immer meine Kopfhörer dabei. Ich verwende sie nach der Vorlesung, weil dort immer ganz viele Menschen sind. Im Gegensatz zu Franka, muss ich eigentlich zu allen Vorlesungen gehen, weil ich Probleme habe die Sachen alleine zu lernen. Ich brauche jemanden der mir das erklärt. Und das machen ja meistens die Professor:innen.

Vesna: Habt du Tipps für Kommiliton:innen oder Dozenent:innen ohne ASS, um euch das Studium zu erleichtern? Wünscht ihr euch etwas von den Menschen um euch?

Chiara: Im Psychologie Studium sind die Menschen sehr verständnisvoll. Aber einfach mehr Zeit, zB wenn wir Fragen beantworten müssen. Ich brauche meine Zeit, um einen sinnvollen Satz zu formulieren. Einfach Geduld und Verständnis.

Franka: Ja ich glaub wirklich was anderes kann man nicht machen. Niemand kann unsere Reizüberflutungsprobleme nehmen. Niemand kann das komplette System einmal auf den Kopf stellen. Offenheit und Verständnis. An der Uni haben wir ja die Möglichkeiten uns diagnostizieren zu lassen und modifizierte Prüfungsmodalitäten bei der Behindertenbeauftragten zu beantragen und das ist eigentlich das Wichtigste.

Chiara: Das S-AAL Projekt und die Behindertenbeauftragte sind echt eine große Hilfe. Vor allem da die Behindertenbeauftragte so eine nette Person ist und so verständnisvoll ist.

Vesna: Also nehmt ihr die Angebote der Uni an?

Alle: Ja

Chiara: Noch eine letzte Sache. Vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen unter anderen Studierenden

Vesna: Ja, das versuchen wir ja auch mit diesem Podcast zu erreichen. Wir haben ja noch viele Folgen zu anderen interessanten Themen. Awareness ist ein riesiges Thema, um mehr Akzeptanz für verschiedene Behinderungen zu schaffen. Und jetzt als Abschluss noch eine Frage: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, was würdet ihr an der Universität ändern?

Mo: Wie Franka schon gesagt hat, ist es nicht so leicht, dass komplette System zu ändern. Was helfen würde, wären Rückzugsräume, wo wenige Menschen sind, wo es hell ist, wo es ruhig ist und wo man schnell hinkommt.

Chiara: Definitiv Rückzugsort, wo ich alleine sein kann und kurz wieder Luft schnappen kann. Ich wohne auch nicht in der Nähe von der Uni, deshalb sind diese Räume so wichtig für mich.

Franka: Auch so einen Raum, wo im Design auf Autist:inne rücksicht genommen wird. Neurotypische Menschen denken vielleicht nicht daran, dass grelles Licht und grelle Farben zu Reizüberflutung führen.

Vesna: Vielen Dank für eure Zeit und das interessante Gespräch! In der nächsten Folge behandeln wir das Thema Mobilitätseinschränkungen.

 

Quellen:

www.autismus.de

https://www.uibk.ac.at/de/projects/s-aal/autismus/

https://boku.ac.at/besondere-organe-und-einrichtungen/koordinationsstelle-fuer-gleichstellung-diversitaet-und-behinderung/behinderung-inklusion/inklusion-schulungen/neurodiversitaet-adhs-autismus-spektrum-ass

https://www.autistenhilfe.at/leistungen/diagnostik/

 

Genannte Links:

S-AAL Projekt: https://www.uibk.ac.at/de/projects/s-aal/

Behindertenbeauftragte Uni Innsbruck: https://www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte/ 

ÖH Information Studium mit Behinderungen: https://www.oehweb.at/deine-oeh/referate/referat-studieren-mit-beeintraechtigungen/ 

 

Folge 3: Mobilitätseinschränkungen

Hast du schon einmal versucht, im Rollstuhl eine barrierefreie Toilette an der Uni zu finden? Auf welche Hindernisse Studierende mit Mobilitätseinschränkungen außerdem stoßen, besprechen wir in dieser Folge.

Transkript (Leichte Sprache)

Manche Menschen haben Probleme, sich zu bewegen.

Das kann verschiedene Gründe haben.

Manchmal sind es Krankheiten, manchmal sind es Verletzungen.

Einige Menschen brauchen spezielle Hilfsmittel, um sich zu bewegen.

Das können zum Beispiel Rollstühle oder Gehhilfen sein.

Es ist wichtig, dass die Umgebung für alle Menschen zugänglich ist.

Das bedeutet, dass keine Hindernisse im Weg sind.

Es gibt viele verschiedene Arten von Mobilitätseinschränkungen.

Aber alle Menschen haben das Recht, sich frei zu bewegen und am Leben teilzunehmen.

Lisa fehlt ein Unterschenkel.

Sie trägt eine Prothese.

An manchen Tag braucht sie den Rollstuhl.

An der Uni bemerkt sie dann viele Probleme.

Ein Problem ist, dass es nicht genug Behindertengerechte Toiletten gibt.

Manchmal muss sie bis in den Keller um aufs Klo zu gehen.

Ein zweites Problem sind die Parkplätze.

Wenn sie mit dem Rollstuhl unterwegs ist, braucht sie Platz zum Aussteigen.

Aber an der Uni gibt es keine Behindertenparkplätze für Studierende.

Sie muss jetzt auf zwei Parkplätzen parken.

Dann hat sie genug Platz.

Im Studium machen sie manchmal Ausflüge.

Ein Professor hat ihr nicht erlaubt mitzukommen.

Er hat gesagt die Prothese ist zu teuer.

Deshalb durfte Lisa nicht mitkommen. Lisa war sehr traurig.

Es ist nicht okay, Menschen auszuschließen, wegen ihrer Beeinträchtigung.

Transkript
  1. Einleitung / Intro

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute widmen wir uns dem Thema Mobilitätseinschränkungen und temporäre Beeinträchtigungen beim Studieren an der Uni Innsbruck. Auch heute haben wir wieder eine Studentin eingeladen, die ihre persönlichen Erfahrungen mit uns teilen wird.

Hallo Sofia, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast und heute hier bei uns dabei bist.

Sofia: Hallo, Guten Morgen. Also wie schon erwähnt, ich bin Sophia und ich studiere an der Universität Innsbruck und ich bin heute hier, weil ich eine Mobilitätseinschränkung habe.

Zunächst aber wollen wir uns erstmal damit auseinandersetzen, was man unter den Begriffen Mobilitätseinschränkungen oder temporäre Beeinträchtigungen versteht.

  1. Begriffsbestimmung & medizinische Definition

Ganz konkret beziehen sich Mobilitätseinschränkungen auf die eingeschränkte oder limitierte Bewegungsfähigkeit einer Person. Diese Einschränkungen können viele verschiedene Ursachen haben, darunter physische Beeinträchtigungen, Erkrankungen, altersbedingte Veränderungen oder Verletzungen, die etwa auch eine temporäre Einschränkung der Mobilität bedeuten können.

Mobilitätseinschränkungen sind meist auf den ersten Blick erkennbar und daher im Bewusstsein der Gesellschaft am stärksten präsent. Häufig wird der Begriff „Behinderung“ mit der klassischen „Person im Rollstuhl“ gleichgesetzt. Dabei gibt es sehr viele unterschiedliche Ausprägungen von Mobilitätseinschränkungen.

Die medizinische Definition umfasst etwa eine große Bandbreite von Zuständen: Zu ihnen zählen orthopädische Beeinträchtigungen wie Schädigungen des Stütz- und Bewegungsapparates (wie etwa Lähmungen, Fehlbildungen/Verluste von Gliedmaßen), aber auch neurologische, Muskel- und Gelenkerkrankungen. Die Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit macht in vielen Fällen daher die Nutzung von Mobilitätshilfen wie Rollstühlen, Gehhilfen und Prothesen erforderlich.

Im Folgenden möchte ich nun einige Beispiele für Mobilitätseinschränkungen vorstellen und aufzeigen, wie sich diese im Alltag äußern können:

  • Gehbehinderungen: Menschen mit Gehbehinderungen haben Schwierigkeiten beim Gehen oder sind auf Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehstützen oder Gehhilfen angewiesen. Dies kann auf Muskel- oder Skeletterkrankungen, Lähmungen, Verletzungen oder andere physische Beeinträchtigungen zurückzuführen sein. Eine Verletzung (etwa ein gebrochener Fuß) kann auch zu einer temporären Mobilitätseinschränkung führen, und auch so die Teilnahme am Studienalltag massiv einschränken.
  • Rollstuhlabhängigkeit: Personen, die auf Rollstühle angewiesen sind, haben eine erhebliche Mobilitätseinschränkung. Zur Fortbewegung benötigen sie Rollstühle, etwa manuell betriebene Rollstühle, elektrische Rollstühle oder andere spezielle Hilfsmittel.
  • Sehbehinderungen: Menschen mit Sehbehinderungen können Schwierigkeiten haben, sich sicher und selbstständig zu bewegen. Dies kann auf verschiedene Augenerkrankungen oder Sehverlust zurückzuführen sein, was die Orientierung und die Fähigkeit zur Erkennung von Hindernissen erschwert. Dem Thema Seheinschränkungen und Sehbehinderungen werden wir demnächst eine ganze Podcast-Folge widmen.
  • Gleichgewichtsprobleme: Personen mit Gleichgewichtsstörungen oder Problemen beim Stehen und Gehen können Schwierigkeiten haben, ihre Stabilität aufrechtzuerhalten und sicher zu gehen. Dies kann auf neurologische Erkrankungen, Schwindel oder andere physische Einschränkungen zurückzuführen sein.
  • Beeinträchtigte Feinmotorik: Personen mit Beeinträchtigungen der Feinmotorik haben Schwierigkeiten, präzise Bewegungen auszuführen, was ihre Mobilität einschränken kann. Dies kann auf neurologische Erkrankungen, Muskelerkrankungen oder Verletzungen zurückzuführen sein.

Mobilitätseinschränkungen können den Alltag und die Lebensqualität einer Person stark beeinflussen. Es ist wichtig, angemessene Unterstützung, barrierefreie Umgebungen und Hilfsmittel bereitzustellen, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die bestmögliche Teilhabe und Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Mobilitätsbeeinträchtigungen können den Studienalltag erheblich erschweren, indem permanente Therapien, wie etwa Physiotherapie, viel Zeit in Anspruch nehmen. Selbst wenn die Wahrnehmungssinne nicht betroffen sind, kann eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit die soziale Interaktion beeinflussen, was sich auf Gesprächssituationen und die Zuwendung zum Gegenüber auswirken kann. Zudem erfordern die meisten Tätigkeiten, wie das Schreiben, mehr Zeit, was sich auf das Anfertigen von Mitschriften, Hausarbeiten und das Ablegen von Klausuren auswirkt. Auch das Beschaffen und Bearbeiten von Literatur sowie das Zurücklegen von Wegen dauern länger. Studierende mit Mobilitätseinschränkungen können vor Herausforderungen stehen, die durch bauliche Barrieren, unzureichende Zugänge, zugestellte Eingänge, fehlende Aufzüge, nicht anpassbares Mobiliar, fehlende barrierefreie Sanitäranlagen und unzureichenden Platz für Mobilitätshilfen verursacht werden.

  1. Expertise: Sofia – Studentin mit Mobilitätseinschränkung (Amputation)

Wir haben nun einiges über Mobilitätseinschränkungen und die Herausforderungen von betroffenen Studierenden erfahren. Wir wollen aber noch mehr wissen, wie es ist, mit einer Mobilitätseinschränkung zu studieren. Und dafür haben wir auch für die heutige Podcast-Folge wieder eine mutige und erfolgreiche Studentin bei uns eingeladen, die uns einiges über sich und ihren Studienalltag zu erzählen hat.

Thomas: Hallo Sophia, hallo zurück. Du hast dich schon kurz vorgestellt und gesagt, du hast eine Mobilitätseinschränkung. Möchtest du etwas mehr darüber erzählen?

Sofia (gekürzt): Also bei meiner Mobilitätseinschränkung handelt es sich um eine Unterschenkelprothese, bin also beinamputiert. Und meistens bin ich mit meiner Prothese unterwegs, aber es gibt Tage, an denen ich auch auf meinen Rollstuhl zurückgreifen muss

Thomas: Und was bedeutet das für dich, eine Amputation zu haben? Welchen Einfluss hat deine Behinderung für dich im Studienalltag?

Sofia (gekürzt): Also für mein Leben bedeutet es eigentlich eine Befreiung, weil ich viel stärkere Mobilitätseinschränkungen hatte vor der Amputation. Ich war immer auf Krücken angewiesen, viel öfter auf den Rollstuhl, aber natürlich beeinflusst die Prothese auch meinen Studienalltag. Grundsätzlich dauert einfach alles länger: Wege, Besorgungen und auch oft sich ein ständiges Erklären müssen. Wenn ich eine zusätzliche Hilfestellung benötige oder länger brauche irgendwo hinzukommen oder zu spät in die Vorlesung komme, dann spielt das natürlich schon eine Rolle. 

Thomas: Welchen konkreten Herausforderungen und Schwierigkeiten begegnest du im Uni-Alltag?

Sofia (gekürzt): Dadurch, dass ich wahrscheinlich Lehramt studiere, bin ich auf sehr vielen verschiedenen Campus unterwegs, also im Campus Technik an der Hauptuni und auch an der Botanik zum Beispiel. Und da muss ich längere Wege oft zurücklegen und ich merke, wie mir das einfach viel Energie wegnimmt, bis ich einfach mal schon von A nach B komme. Das bedeutet, ich kann auch manchmal nicht teilnehmen an den Vorlesungen. Wenn ich aufwache und ich kann halt nicht so gut gehen an dem Tag, dann muss ich kurzfristig Termine absagen und dann gibt es manchmal wenig Verständnis dafür. Und dazu kommt wieder das permanente sich erklären müssen.

Thomas: Und wird da auch Rücksicht genommen von den Professorinnen und Professoren?

Sofia (gekürzt): Eigentlich ganz durchgemischt sind die Reaktionen. Viele Dozenten, haben vollstes Verständnis dafür und kennen mich auch mittlerweile, weil ich doch schon seit 5 Jahren an der Uni studiere und manche aber haben gar kein Verständnis dafür und bieten nicht mal Kompensationsarbeiten an. Die sagen dann: Na ja, wenn ich mehr als die erlaubte Zeit des Fehlens überschreite, dann muss ich den Kurs wiederholen und das ist dann schon sehr frustrierend, weil ich eben nichts dagegen tun kann.

Thomas: Hattest du schon persönliche Erfahrungen in dem Bereich, die du mit uns teilen möchtest? 

Sofia (gekürzt): Ja, also ich musste tatsächlich schon 2 oder 3 Kurse einfach wiederholen, weil es nicht die Möglichkeit gab, es online zu übertragen, weil mein Vorschlag einer Kompensationsarbeit nicht akzeptiert wurde. Und das hat mich am Ende sehr viel Zeit gekostet, also sicher ein Semester mehr, denn diese Kurse finden zum Teil nur jährlich statt. Es ist sehr ärgerlich, wenn man diesen Kurs dann nicht absolvieren kann.

Thomas: Und wo liegen die Unterschiede, wenn du jetzt zum Beispiel mit Prothese oder mit Rollstuhl unterwegs bist? Du hast dir gesagt, das ist auch tagesabhängig. Welchen Herausforderungen begegnest du da? 

Sofia (gekürzt): Also natürlich mit der Prothese weniger, weil ich doch weniger eingeschränkt bin und mich auch nicht so gut auskenne mit meinem Rollstuhl. Ich verwende ihn sehr selten, vor allem außerhalb meines Hauses, und deshalb weiß ich oft einfach nicht, wo die Aufzüge sind oder wo der barrierefreie Zugang ist zu den Vorlesesälen zum Beispiel. Am Campus Technik gibt es einige Säle, die nur mit einer Plattform zugänglich sind, also nicht mit einem Lift. Ich habe gehört, es gibt barrierefreie Zugänge, irgendwie durch die Tiefgarage, aber ich wüsste nicht, wie ich dahin komme. Ich gehe fast lieber nicht in die Vorlesung, wenn das passiert, weil es mich einfach überfordert.

Thomas: Wir haben in unserem Podcast schon einiges über Barrierefreiheit gehört. Ist die Uni deiner Meinung nach barrierefrei? Was sind deine Erfahrungen und dazu?

Sofia (gekürzt): Zum Teil. Es kommt sehr stark auf den Campus an. Für mich ist sie doch einigermaßen barrierefrei, wenn ich mit meiner Prothese unterwegs bin, weil ich eben Treppensteigen oft schwierig finde. Und es gibt fast überall Aufzüge. Aber zum Beispiel am Campus Technik besteht wahrscheinlich noch Nachholbedarf, eben weil viele Säle nur mit einer Rollstuhlplattform erreichbar sind. Ich habe erst vor kurzem gemerkt, dass die Verteilung der barrierefreien Toiletten absolut nicht passt. An der Hauptuni musste ich tatsächlich das Büro der Behindertenbeauftragten anrufen, um zu erfahren, wo diese barrierefreie Toilette ist. Ich spreche jetzt bewusst im Singular, denn es gibt nur eine. Ich bin dann darauf gekommen, dass es noch eine zweite gibt, aber beide Toiletten sind im Untergeschoss und schwer erreichbar. Auch die Türen sind nicht barrierefrei, um dorthin zu kommen. Auch am Campus Technik gibt es nur eine barrierefreie Toilette im gesamten Gebäude, welche auch nicht angeschrieben ist. Und bis man die findet, dauert das eben doch lange. Und das neueste Beispiel, das uns passiert ist, als wir heute zum Podcast hergekommen sind, in das neue Agnes-Heller-Haus: Wir wollten mit dem Lift eben in den 2. Stock fahren, dort wo die Bibliothek ist, und haben den ersten Lift direkt am Haupteingang genommen. Doch dieser hält gar nicht bei der Bibliothek, weil dieser aus Sicherheitsgründen nur für Mitarbeiter gedacht ist. Es gibt noch einen anderen Aufzug. Es hätte besser geplant werden oder zumindest angeschrieben sein können, weil es beschwerlich ist, wenn man nicht weiß, wo der richtige Aufzug ist.

Thomas: Hast du spezielle Strategien/Methoden, die dich bei Lehrveranstaltungen, Prüfungen oder Exkursionen unterstützen?

Sofia (gekürzt): Zum Also grundsätzlich melde ich mich immer bei den Dozenten und gebe Ihnen schon Bescheid, dass ich eine Mobilitätseinschränkung habe und dass es sein könnte, dass ich einmal was nicht machen kann, weil dann reagieren sie viel verständnisvoller, wenn es nicht ganz so spontan ist, weil sie sich dann schon einstellen können. Oder wir können dann schon im Vorhinein einfach Kompensationsmöglichkeiten besprechen. Man muss sich einfach überlegen was möglich ist und was nicht. Zum Beispiel bei Prüfungen: Einmal ist espassiert, dass ich eine Prüfung im Rollstuhl geschrieben habe, wo für mich ein Beistelltisch organisiert wurde. Da wurde aber die ganze Prüfung für gute 10 Minuten aufgehalten deswegen. Die Dozentin war schon gestresst, aber sie hat mir versichert, dass es kein Problem ist. Aber ansonsten bei Exkursionen zum Beispiel, da schreibe ich immer noch sehr viel früher an die Dozenten und sage, ich wäre eben halt dabei und frage einfach, wo wir hingehen oder was geplant ist, wie lange die Exkursion dauert. Je nachdem wie die Exkursion aussieht, muss ich entweder fragen, ob ich eine Kompensationsarbeit machen kann oder ob es möglich wäre, unterwegs kürzere Pausen einzulegen. Und auch da gibt es wieder gemischte Reaktionen. Manche Dozenten sagen auch wieder, das ist kein Problem, aber manche sind da auch wieder sehr unnachgiebig. Das absolute Negativbeispiel, dass ich selbst erlebt habe, war, als von einer Exkursion ausgeschlossen wurde, weil die Dozenten über meinen Kopf hinweg mit dem Versicherungsbüro der Universität gesprochen haben und einen Kostenvoranschlag für irgendeine Beinprothese fanden im Internet. Und da war die Argumentation eben, dass ich nicht mit darf, weil die Prothesen sind ja so teuer und wenn was kaputt geht, dann würde die Versicherung das nicht übernehmen wollen und das war schon ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, weil ich bin ebenso Uni-Mitglied wie alle anderen Studenten, zahle meinen Beitrag usw. Ich habe dann zwar Videos bekommen von der Exkursion, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich es nie so erleben werde oder lernen werde wie alle anderen, die bei der Exkursion dabei waren. 

Thomas: Wir haben viel über deinen Uni Alltag gesprochen. Hast du vielleicht auch Diskriminierungen in deinem Leben außerhalb der Uni erfahren?

Sofia (gekürzt): Also da gibt es einige Beispiele, aber im Moment beschäftigt mich zum Beispiel, dass man sich oft als Person mit Einschränkungen schwertut, eine Versicherung abzuschließen, wie zum Beispiel eine Unfallversicherung oder eine Reiseversicherung, weil oft Versicherungen behaupten, dass man aufgrund der Behinderung vielleicht eher einen Unfall baut oder eher reiseunfähig wird. Und deshalb wird man oft zu teureren Konditionen versichert oder überhaupt gar nicht und ich weiß aber auch, dass das eigentlich in Österreich nicht zulässig ist. Vom Sozialministerium gibt es da einen Leitfaden, der ist auch eigentlich sehr interessant und man bekommt gute Einsichten. Darin steht, dass man für öffentliche Angebote, dazu gehören eben Versicherungen, aber auch Essen gehen, Autokäufe, Wohnungskäufe eigentlich nicht aufgrund der Behinderung diskriminiert werden darf. Und dementsprechend dürfte man auch nicht mehr Kosten verrechnen wegen der Behinderung. Was mir oft auch passiert im Alltag sind sogenannte Mikroaggressionen, weil man meine Prothese einfach nicht sieht. In den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Beispiel, wenn ich auf einem Platz sitze, und ich muss mein Bein eben ausstrecken, weil ich das Knie nicht so abwinkeln kann wie Menschen mit 2 Beinen, dann werde ich oft ziemlich grob angeredet, dass ich gefälligst mein Bein da wegnehmen soll. Und es ist eben so mühsam, wenn man sich auch wieder ständig erklären muss und fast Angst haben muss, dass man wieder so angegriffen wird, obwohl man eigentlich nichts machen kann. Und da ist auch wieder ein bisschen mehr Toleranz und Empathie von allen gefragt, denn Behinderung hängt nicht mit dem Alter zusammen und ich glaube, das verstehen auch viele nicht, dass es auch junge Menschen mit Behinderung gibt. 

Thomas: Gibt es positive Erfahrungen oder unterstützende Maßnahmen (von Seiten der UIBK), die dir besonders geholfen haben?

Sofia (gekürzt): Ja, also definitiv das Angebot, dass man sich immer an das Büro der Behindertenbeauftragten wenden kann, weil das eine große Hilfe ist. Ein konkretes Beispiel ist, dass vor allem seit der Corona-Pandemie viele Vorlesungen aufgenommen werden. Auch wenn man anfragt, ob man aufnehmen kann, dann ist das natürlich wieder vom Dozenten abhängig, aber das wurde schon einmal gemacht für mich bei einer Vorlesung, die eigentlich nicht aufgenommen wird. Damals hatte ich besonders viele Probleme mit meiner Prothese und durch die Hilfe der Dozentin konnte ich eigentlich sehr problemfrei diese Vorlesung besuchen, was für mich sehr hilfreich war. 

Thomas: Welche Ratschläge würdest du anderen Studierenden (die vielleicht gerade am Beginn ihres Studiums stehen) mit einer Einschränkung in ihrer Mobilität geben?

Sofia (gekürzt): Als allererstes sollte man sich beim Büro der Behindertenbeauftragten melden, weil man einfach so einen guten Einblick bekommt, dass man sich sehr viel Stress ersparen könnte. Ich spreche aus Erfahrung, das habe ich am Anfang nicht gemacht und schlussendlich hat es mir aber sehr geholfen, weil es mir eben diesen Überblick gegeben hat über die Hilfen, die mir zur Verfügung. Das zweite ist, dass man sich darüber bewusst sein muss, dass man eine Daseinsberechtigung hat, dass es kein Problem ist, dass man studiert an der Uni und eine Einschränkung hat. Man sollte wissen, dass man auch für sich einstehen kann und sollte, das war für mich eben am Anfang auch sehr schwierig, weil man eben neu ist an der Uni und man kennt sich eben nicht so gut aus. Aber grundsätzlich, wenn man freundlich bleibt und einfach seine Bedürfnisse äußert, dann sollte das möglich sein. Und man sollte mit anderen Studierenden sprechen, wenn man Probleme hat. Vielleicht kann man sich zusammentun, um Mitschriften zu teilen, das wäre auch hilfreich. Einfach sich gegenseitig helfen und eben nicht vergessen, dass es immer in Ordnung ist, wenn man um Hilfe fragt.

Thomas: Abschließend noch eine letzte Frage: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du an der Universität Innsbruck ändern?

Sofia (gekürzt): Einem Wunsch? Wahrscheinlich, dass alles ein bisschen unbürokratischer werden könnte. Die vielen Lösungen oder Hilfestellungen, auf die man eine Anrecht hätte, sind manchmal einfach sehr bürokratisch, ist mir aufgefallen. Und das könnte man versuchen zu verkürzen, weil es eigentlich sehr simple Hilfestellungen wären, z.B. wenn man irgendwo Anträge stellen und dann warten muss und vielleicht wird das dann nicht angenommen usw. Und das könnte man sicher noch verbessern, einfach weil so viel Energie verloren geht, wenn man sich so anstrengen muss, dass man Hilfestellungen bekommt. Und das würde den Alltag von vielen Studierenden erleichtern, glaube ich.

Thomas: Auf jeden Fall. Danke Sofia für deinen wertvollen Beitrag hier bei uns im Podcast. 

Sofia (gekürzt): Gern. Also mir hat es Spaß gemacht, hier zu sein. Und vielleicht auch abschließend an alle, die eine Mobilitätseinschränkung haben oder auch an alle Studierenden: Seid einfach alle toleranter und freundlicher zueinander. Das hilft auch. 

Damit sind wir auch schon am Ende dieser Folge von „Hörsaal ohne Barrieren“ angelangt. Vielen Dank liebe Sofia für deine Zeit und das interessante Gespräch! Vielen Dank fürs Zuhören. In der nächsten Folge sprechen wir über das Thema Sinnesbehinderungen, insbesondere Sehbehinderungen. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal und ciao.

Folge 4: Sehbehinderung

Wusstest du das: Gute Beleuchtung und deutliche Unterschiede zwischen hell und dunkel sind wichtig für Menschen mit Seh-Behinderungen.

Transkript (Leichte Sprache)

Manche Menschen können schlecht sehen.

Diese Menschen haben eine Sehbehinderung.

Wie schlecht die Menschen sehen können, ist sehr unterschiedlich.

Manche Menschen können gar nichts sehen.

Diese Menschen sind dann blind.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen nicht gut sehen können.

Das können Krankheiten sein.

Das kann aber auch durch einen Unfall passieren.

Vielleicht habt ihr schon mal diese Streifen auf dem Boden gesehen und die Rillen gespürt.

Das sind Leitstreifen.

Damit können sich Sehbehinderte und blinde Menschen orientieren.

Die Rillen sind also sehr wichtig.

Deshalb müssen sie immer frei sein.

Die Rillen spüren die Menschen mit einem Langstock.

Aber auch ohne Stock orientieren sich Menschen an den weißen Linien.

Sabrina hat eine Sehbehinderung.

Sie muss immer genug Licht haben, damit sie die Sachen lesen kann.

Am liebsten arbeitet Sabrina am Computer.

Dort kann sie die Größe und Farbe der Schrift verändern.

Für Sabrina ist weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund am besten.

Sie wünscht sich eine bessere Beschriftung in der Uni.

Dann kann sie leichter zu den Räumen finden.

Auf den Leitstreifen stehen häufig Fahrräder.

Sabrina findet es blöd, wenn die Leitstreifen blockiert werden.

Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute geht es um das Thema der Sehbehinderung an der Uni. Zunächst mal definieren wir kurz den Begriff “Sehbehinderung”, da dieser unterschiedliche Grade und Arten von Sehbeeinträchtigungen einschließt.

Die Sehbeeinträchtigung bezieht sich auf Einschränkungen oder Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit einer Person.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird eine Sehbehinderung als signifikante Beeinträchtigung des Sehvermögens definiert, die nicht durch Korrekturmittel wie Brillen oder Kontaktlinsen behoben werden kann.

Es gibt verschiedene Grade und Arten von Sehbeeinträchtigungen, die von leicht bis zur vollständigen Blindheit reichen können. Die Einteilung ist hierbei abhängig von den einzelnen Institutionen oder Ländern und deren Gesetzen.

In Österreich wird der Visus bewertet, also wie scharf ein Mensch sieht, bzw. inwiefern das Auge fähig ist, Muster oder Konturen zu erkennen.

Die Sehschärfe misst man mittels einer Sehtafel mit Zeichen in unterschiedlichen Größen. Die zu testende Person muss aus einer bestimmten Entfernung Zeichen erkennen, wobei die letzten Zeichen, die die Person noch erkennen kann, den Wert der Sehschärfe festlegen.

Bei einer Sehschärfe von 100 % spricht man von einem Visus von 1,0.

Diese Einstufungen der Sehbeeinträchtigungen sind natürlich allgemein und gelten für alle Sehbeeinträchtigungen, die sich allerdings sehr unterschiedlich gestalten.

Die Auswirkungen der Sehbeeinträchtigung können von Person zu Person variieren und wirken sich auf verschiedene Aspekte des täglichen Lebens aus, einschließlich der Fähigkeit, Informationen zu lesen, zu erkennen, Gesichter zu erkennen, Hindernisse zu erkennen, sich in der Umgebung zu orientieren oder Details zu sehen.

Sehbeeinträchtigungen können angeboren sein, aber auch im Laufe des Lebens erworben werden.

Unterschieden werden zum Beispiel die

1: Sehschwäche:

– dabei besitzt die Person eine verminderte Sehschärfe oder eine eingeschränkte Fähigkeit, Details klar zu erkennen

– kann z.B. durch Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie) oder Astigmatismus verursacht werden

2: Gesichtsfeldeinschränkung:

– dabei ist das periphere Sichtfeld einer Person beeinträchtigt

– Person hat Schwierigkeiten, Objekte oder Informationen in ihrem seitlichen, oberen         und/ oder unteren Sichtfeld wahrzunehmen

3: Nachtblindheit:

– Schwierigkeiten, bei schlechten Lichtverhältnissen zu sehen

4: Farbenblindheit:

– Beeinträchtigung der Fähigkeit, bestimmte Farben zu erkennen oder zu unterscheiden

– häufigste Form: Rot-Grün Schwäche 

Die fünf häufigsten Sehbehinderungen sind:

– Grauer Star

– Makula-Degeneration

– Grüner Star

– Diabetische Retinopathie

– Retinitis Pigmentosa

 

Folgengast:

– Sara, Studierende an der Uni Innsbruck. Sara hat seit ihrer Geburt eine Netzhauterkrankung (Lebersche kongenitale Amaurose) und besitzt eine Sehkraft von 30%.
– Mit dieser Krankheit kommen unter anderem Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinschränkung, Farbenblindheit und eingeschränkte Tiefenwahrnehmung einher

Herausforderungen im Unialltag sind unter anderem:

– Schwierigkeiten beim Erkennen von Vorlesungsfolien (durch z.B. zu schwache Kontraste, Helligkeitsunterschiede, etc.)
– für Prüfungen bekommt man auf Anfrage mehr Zeit, Licht oder ähnliches, allerdings müssen die Modifikationen bei allen Klausuren mind. 3 Wochen vorher durch die/den Studierende/n über die Behindertenbeauftragte angemeldet werden
– Leitstreifen in den Unigebäuden sind oft kontrastarm und oftmals versperrt durch z.B. Fahrräder oder Personen

Saras Tipps:

– Digitalisierung für blinde und sehbehinderte Studierende (siehe Link oben)
– Blindenarbeitsräume, Chips für diese Räume bekommt man über die Behindertenbeauftragte

 

Genannte Links:
Sehbehinderungs-Simulator, der vereinfacht darstellt, wie sich die fünf häufigsten Sehbehinderungen auf die Wahrnehmung auswirken und diese auch kurz beschreibt: https://www.absv.de/sehbehinderungs-simulator

Thomas Krismer, Digitalisierung für blinde und sehbehinderte Studierende:
https://www.uibk.ac.at/de/ulb/medien-suchen-und-nutzen/digitales-angebot/digitalisierungsservices/digitalisierung-fuer-blinde-und-sehbehinderte-studierende/

Quellen:
– World Health Organization. (2018). International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (11th ed.))
– Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs: https://www.hilfsgemeinschaft.at/aktuelles/blog/detail/ab-wann-spricht-man-von-sehbehinderung 

Folge 5: ADHS

Eine klare Struktur unterstützt Menschen mit ADHS beim Studieren. Willst du wissen, was noch wichtig ist?

Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute widmen wir uns einem Thema, das einige Menschen betrifft, nämlich ADHS.

Was?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Dabei handelt es sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die in der Kindheit beginnt und sich typischerweise bis ins Erwachsenenalter fortsetzt. ADHS ist, wie der Name schon sagt, durch Probleme in den Bereichen Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität gekennzeichnet. Wenn Hyperaktivität als Symptom kaum auftritt, spricht man auch von ADS.

Warum?

In einem Gehirn ohne ADHS regulieren Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, die Weiterleitung von Signalen zwischen den Hirnzellen. Die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin sorgen zum Beispiel dafür, dass wir motiviert und wach sind und unsere Aufmerksamkeit gezielt fokussieren können (Quelle: Quarks.de).

In einem ADHS-Gehirn stehen Dopamin und Noradrenalin dort, wo sie benötigt werden, nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Das heißt erstens: Reize werden anders verarbeitet; Menschen mit ADHS nehmen ihre Umgebung anders wahr. Und zweitens können sie ihr Verhalten weniger gut steuern und kontrollieren. Das zeigt sich zum Beispiel in impulsivem Verhalten oder schnellem Abgelenktsein (Quelle: Quarks.de).

Kernsymptome:

  • Unaufmerksamkeit: Den Menschen mit ADHS fällt es schwer, begonnene Tätigkeiten zu Ende zu bringen. Sie haben nämlich Schwierigkeiten, sich über einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Aufgabe oder Tätigkeit zu konzentrieren. Sie lassen sich auch leicht ablenken, was häufig zu Fehlern bei Aufgaben, die Sorgfalt erfordern, führen kann.
  • Hyperaktivität: Viele Menschen mit AHDS verspüren einen erhöhten Bewegungsdrang und ein ausgeprägtes Unruhegefühl. Besonders auffällig ist das im Kindesalter, wo sich das bspw. durch ständiges Zappeln oder Aufstehen äußert.
  • Impulsivität: Menschen mit ADHS können impulsive Handlungen und Entscheidungen treffen, ohne die Konsequenzen angemessen zu berücksichtigen. Sie können Schwierigkeiten haben, auf ihren Impuls zu warten oder angemessenes Verhalten zu planen
  • Es ist wichtig anzumerken, dass ADHS eine vielfältige und individuelle Störung ist und die Symptome von Person zu Person variieren können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von ADHS kann helfen, die Symptome zu lindern und die Betroffenen dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Die Verhaltensprobleme, welche durch ADHS entstehen, können sich bei einigen Menschen bis ins Erwachsenenalter hinein fortsetzen, bei anderen vermindern sich die Probleme. Am meisten leiden Erwachsene jedoch unter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen. ADHS kann sich auch zwischenmenschlich, in Freundschaften oder romantischen Beziehungen auswirken. Das belastet die Betroffenen selbst. Wird ADHS nicht behandelt, können sich psychische Begleiterkrankungen bilden wie bspw. Depressionen, Angststörungen oder Zwangsstörungen.

Positive Seiten:

Gerade haben wir schon einige Schwierigkeiten gehört, mit denen Menschen mit ADHS zu kämpfen haben, aber es gibt auch gute Seiten, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Dazu gehören bspw.

  • Einsatzbereitschaft
  • Feinfühligkeit/Sensibilität
  • Emotionalität
  • Ehrlichkeit
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Spontanität
  • viel Fantasie

Menschen mit ADHS oder ADS sollten sich aber nicht davon abhalten lassen, ein Studium in Angriff zu nehmen. Die österreichische Studienberatung hat ein paar Punkte zusammengetragen, auf die speziell geachtet werden sollte, damit das Studium erfolgreich bewältigt werden kann. Hier ein kleiner Auszug daraus. Mehr könnt ihr aus der Folgenbeschreibung entnehmen:

  • Das gewählte Studium sollte wirklich den eigenen Interessen entsprechen, um die Langzeit-Motivation einfacher zu gestalten.
  • Die Studierendenberatung empfiehlt eine sorgfältige Planung des Alltags. Das kann zum Beispiel durch die Arbeit mit Zeitplänen wie Tages-, Wochen- und Semesterplänen erleichtert werden
  • Oasen von Ordnung und Ruhe schaffen, wie bspw. ein geeigneter Arbeitsplatz und ein aufgeräumter Schreibtisch
  • eine Klare Trennung von Arbeit und Freizeit
  • Regeneration zwischen Aktivitäten einplanen
  • To-Do-Listen erstellen
  • eventuelle angepasste Prüfungsmodalitäten beantragen

Falls euch das Thema noch weiter interessiert, haben wir in der Folgenbeschreibung ein paar Links zusammengestellt, bei denen ihr euch weiter informieren könnt.

Gennante Links:

S-AAL Projekt: https://www.uibk.ac.at/de/projects/s-aal/

Behindertenbeauftragte Uni Innsbruck: https://www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte/ 

ÖH Information Studium mit Behinderungen: https://www.oehweb.at/deine-oeh/referate/referat-studieren-mit-beeintraechtigungen/

ADHS Studierende Innsbruck: https://www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte/fuer-studierende/adhs-studierende-innsbruck.pdf

ADHS Studierende Innsbruck Notion Site: https://adhsstudierendeinnsbruck.notion.site/

Quellen:

www.adhs.info

www.studierendenberatung.at

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/A/ADHS/Eckpunkte_ADHS_2016.pdf

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/adhs/therapie.html

 

Folge 6: Hörbehinderung

Einige Studierende haben Schwierigkeiten, Geräusche und Töne wahrzunehmen. Du willst wissen, was du tun kannst, um die Uni für diese Personen inklusiver zu gestalten? Dann hör dir diese Folge an!

Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute geht es um das Thema der Gehörbeeinträchtigung an der Uni. Wir haben heute leider keinen Gast dabei, der von seinen eigenen Erfahrungen erzählen kann, aber wir bemühen uns natürlich diese Folge trotzdem informativ und spannend zu gestalten.

Bevor wir mit der Definition des Begriffs der „Gehörbeeinträchtigung“ beginnen, möchten wir darauf hinweisen, dass ein Podcast eigentlich nicht das ideale Medium ist, um sich umfassend über Gehörbeeinträchtigungen zu informieren, da der Podcast ja selbst schon eine Barriere für gehörlose Menschen darstellen kann.
Wir sind uns dessen bewusst und haben deswegen, wie bei jeder unserer Folgen, den Inhalt dieser in Schriftform in die Folgenbeschreibung miteingefügt.     

Zunächst mal schauen wir uns an, was der Begriff “Gehörbeeinträchtigung” eigentlich alles miteinschließt

Gehörbeeinträchtigungen beziehen sich auf Einschränkungen oder Beeinträchtigungen des Gehörs einer Person. Diese können von leichter Schwerhörigkeit bis zur vollständigen Taubheit reichen und angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Wenn ihr Hörverlust-Simulation googelt, kommen ein paar Hörbeispiele, damit man diese unterschiedlichen Grade von Hörverlust ein bisschen nachvollziehen kann. Ich spiele hier mal eben einen ab, der vereinfacht darstellt, wie leichter und schwerer Hörverlust klingen kann.

https://www.phonak.com/at/de/hoerverlust/anzeichen-von-hoerverlust-und-was-zu-tun-ist/hearing-loss-simulation.html

Das war jetzt wie gesagt eine vereinfachte Darstellung. Gehörbeeinträchtigungen unterscheiden sich aber durch verschiedene Faktoren, von denen ich im Folgenden mal kurz ein paar aufzähle:         

 

1: Schwerhörigkeit:

– Gehör einer Person ist beeinträchtigt, wodurch die Schwierigkeiten haben kann, Töne in normaler Lautstärke wahrzunehmen (kann mild, moderat, schwer oder tiefgreifend sein)

2: Hochtonschwerhörigkeit:

– Schwierigkeiten beim Wahrnehmen hoher Frequenzen

3: Taubheit:

– vollständiger Verlust des Gehörs

4: Schallempfindungsschwerhörigkeit:

– Innenohr oder Hörschnecke betroffen

– Schwierigkeiten bestimmte Töne oder Sprache klar wahrzunehmen

– kann auf Schäden in den Haarzellen oder dem Hörnerv zurückzuführen sein

5: Leitungsstörung:

– Übertragung von Schallwellen zum Innenohr ist beeinträchtigt

– kann durch Probleme im äußeren oder mittleren Ohr (z.B. Verstopfung des Gehörgangs oder Schäden am Trommelfell) verursacht werden

 

Gehörbeeinträchtigungen können sich auf verschiedene Aspekte des Lebens auswirken, einschließlich der Kommunikation, des Spracherwerbs, der Teilnahme am Unterricht oder in der Arbeitswelt und der allgemeinen sozialen Interaktion.

Bei Studierenden mit Gehörbeeinträchtigungen bedeutet das konkret, dass sie z.B. bei Vorlesungen Probleme bei der Wahrnehmung von akustischen Informationen haben können oder sich die Kontaktaufnahme mit Mitstudierenden und Lehrenden schwieriger gestaltet. Ein spannendes Video dazu ist der folgenden Link.  In dem Video geht es um Damian, einen Studierenden mit starker Schwerhörigkeit, der ein bisschen was von seinem Alltag in der Uni erzählt: https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/campus/studium_mit_hoerbehinderung-100.html

Wie können wir unserer Kommilitonen und Kommilitoninnen unterstützen?

Grundsätzlich gilt natürlich, dass die Unterrichtsmaterialien am besten vorab digital verfügbar sein sollten und barrierefrei erstellt werden. Die barrierefreie Dokumenterstellung ist vielleicht am Anfang ein kurzer Mehraufwand, wenn man sich vorher noch nicht damit beschäftigt hat, aber gerade bei z.B. Dokumenten, die man immer wieder verwendet, lohnt sich dieser kurze Anfangsaufwand dann umso mehr. Wie man Dokumente barrierefrei erstellt könnt ihr unter anderem auch auf der Seite der Behindertenbeauftragten der Uni, Bettina Jeschke nachlesen:

https://www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte/fuer-lehrende/

 

Außerdem sollten Audio/Videoaufzeichnung immer mit Untertiteln zusammen verfügbar sein. Gerade in großen Vorlesungssälen bietet sich die Nutzung von Mikrophonen an. Bei Gruppendiskussionen hilft es, wenn man möglichst nicht durcheinanderredet und die Hintergrundgeräusche minimiert.

Wer motiviert ist, kann sich auch in einem Kurs für Gebärdensprache versuchen, selbst wenn man nur wenige Gesten kennt, können diese beim Verstehen helfen und können zudem ein Zeichen von Unterstützung darstellen.

Außerdem, und das ist nicht nur speziell für Studierende mit Gehörbeeinträchtigung, sondern für eine große Mehrheit von Studierenden mit Beeinträchtigung, sollten Ersatzleistungen für Abwesenheit ermöglicht werden (z.B. in Form von Hausübungen statt Exkursionen), oder auch Ersatzleistungen für versäumte Mitarbeit ermöglicht werden.

Menschen mit Gehörbeeinträchtigung können zur Unterstützung auch verschiedene technologische Hilfsmittel wie Hörgeräte, FM-Systeme und Cochlea-Implantate einsetzen.

FM-Systeme:
– Funk-Mikrofon-Übertragungsanlagen

– bestehen aus einem Sender für Dozierende und Mitstudierende sowie einem Empfänger für Studierende mit Hörbehinderungen

– diese drahtlose Übertragung auf UKW-Frequenzen ermöglicht es, störende Nebengeräusche zu minimieren, besonders wenn sie mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten verwendet werden

– Link zu Demonstrationsvideo:

https://youtu.be/1l37lzLIgQU?si=4g9RyVhSz5XMhXZv

Richtmikrofone:
– ermöglichen die Identifizierung des Standorts von Sprechern und das Fokussieren auf spezifische Geräusche

– rekonstruieren also räumliches Hören

– In lauten Umgebungen dämpfen sie störende Geräusche von außen

– ist besonders hilfreich bei bewegten Geräuschquellen. In einer Konversation kann der Fokus auf der Stimme des Gesprächspartners liegen, während störende Hintergrundgeräusche herausgeschnitten werden

– Solche Richtmikrofone können vor allem in Seminaren vorteilhaft sein, in denen nicht nur einem oder einer Vortragenden zugehört wird, sondern mehrere Personen an einer Diskussion beteiligt sind
– Link zur Erklärungen von Richtmikrophonen:
https://www.hoerstudio.com/richtmikrofone-mit-hoergeraeten-raeumlich-hoeren/

Cochlea-Implantate

– elektronische Hörimplantate

– werden chirurgisch implantiert und wandeln Schall in elektrische Signale um, die direkt an den Hörnerv übertragen werden

– ermöglichen Betroffenen so das Wahrnehmen von Klängen und Sprache

 
Erklärvideo:
https://youtu.be/8z5Yub_-2L8?si=zkFbooOhVgFABSQJ

Abschließend möchten wir betonen, dass jeder von uns einen Beitrag dazu leisten kann, Barrieren abzubauen und die Universität zu einem Ort zu machen, der für alle zugänglich ist., wenn wir einfach offen und tolerant mit unseren Mitmenschen umgehen und uns bemühen, uns zu informieren und sensibel mit den Bedürfnissen unserer Kommilitonen umzugehen.

Vielen Dank fürs Zuhören, wir sehen uns in der nächsten Folge!

 

Genannte Links:

Hörverlust-Simulator:

https://www.phonak.com/at/de/hoerverlust/anzeichen-von-hoerverlust-und-was-zu-tun-ist/hearing-loss-simulation.html

Video: Studieren mit Hörbehinderung, Damians Unialltag:
https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/campus/studium_mit_hoerbehinderung-100.html

Barrierefreie Dokumente erstellen:

https://www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte/fuer-lehrende/

Demonstrationsvideo von FM-Anlagen:

https://youtu.be/1l37lzLIgQU?si=4g9RyVhSz5XMhXZv

Erklärungen von Richtmikrophonen:
https://www.hoerstudio.com/richtmikrofone-mit-hoergeraeten-raeumlich-hoeren/

Erklärungen von Cochlea-Implantaten:
https://youtu.be/8z5Yub_-2L8?si=zkFbooOhVgFABSQJ

 

Folge 7: Psychische Erkrankungen

Studierende mit psychischer Erkrankung bilden die größte Gruppe unter Studierenden mit Beeinträchtigungen. Verena Dresen ist Psychologin. In dieser Folge spricht sie über Unterstützungs-Möglichkeiten an der Uni.

Transkript
  1. Einleitung / Intro

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”. Heute sprechen wir über Psychische Erkrankungen, ein Thema das in den vergangenen Jahren immer mehr an Aufmerksamkeit gewonnen hat und trotzdem in der Gesellschaft immer noch stark vernachlässigt wird. Insbesondere werden wir heute über Depressionen und Angststörungen sprechen, und deswegen haben wir heute eine Expertin in unsere Podcast-Folge eingeladen, die ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen mit uns teilen wird.

Frau Dr. Dresen, würden Sie sich kurz vorstellen für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer?

Frau Dr. Dresen: Hallo, mein Name ist Verena Dresen Ich bin hier am Institut für Psychologie im Bereich klinische Psychologie tätig. In der Lehre. Aber auch als klinische Psychologin für Studierende. 

Vielen Dank. Bevor wir jedoch in den Dialog einsteigen, ist es wichtig, den Begriff Psychische Erkrankungen zu bestimmen und die häufigsten Ausprägungen vorzustellen.

  1. Begriffsbestimmung & medizinische Definition

Psychische Beeinträchtigungen beziehen sich auf Störungen oder Einschränkungen im Bereich der psychischen Gesundheit einer Person. Sie betreffen die kognitive, emotionale und Verhaltensdimension des menschlichen Erlebens und können das tägliche Leben, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden beeinflussen. Psychische Beeinträchtigungen können in verschiedenen Formen auftreten und unterschiedliche Auswirkungen haben. Zu den häufigsten psychischen Beeinträchtigungen zählen unter anderem …

  1. Depression: … ist durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Energiemangel, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und negative Gedanken gekennzeichnet. Es handelt sich um eine ernsthafte Stimmungsstörung, die das tägliche Funktionieren erheblich beeinträchtigen kann.
  2. Bipolare Störung: … ist gekennzeichnet durch extreme Stimmungsschwankungen, die zwischen manischen Episoden (übermäßigem Enthusiasmus, Energie und Risikoverhalten) und depressiven Episoden (tiefer Niedergeschlagenheit und Verlust der Interessen) wechseln.
  3. Schizophrenie: … ist eine komplexe psychische Erkrankung, die durch gestörtes Denken, Wahrnehmung und Verhalten gekennzeichnet ist. Betroffene können Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Desorganisation in den Gedanken und sozialen Rückzug erleben.
  4. Essstörungen: … wie Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung betreffen das Essverhalten und die Körperwahrnehmung. Sie sind durch gestörte Essmuster, übermäßige Gedanken über Gewicht und Körperbild sowie mögliche gesundheitliche Komplikationen gekennzeichnet.
  5. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): tritt als Reaktion auf ein traumatisches Ereignis auf und umfasst Symptome wie wiederkehrende Albträume, Flashbacks, Hypervigilanz (erhöhte Wachsamkeit) und emotionalen Numbheit.
  6. Angststörungen: … zählen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Krankheiten, wobei diese durch übermäßige und anhaltende Ängste und Sorgen gekennzeichnet sind. Betroffene Studierende stehen häufig großen Herausforderungen gegenüber.
    Krankheitsbild: Es treten plötzlich und unkontrollierte Anfälle von starker Panik auf. Einhergehend mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen oder Ähnlichem sowie Todesangst innerhalb der Attacke und nachfolgende Angst vor der nächsten Attacke. Aber darüber sprechen wir mit Frau Dr. Dresen in Kürze etwas genauer.

Es gibt viele weitere psychische Beeinträchtigungen, und jede von ihnen hat ihre eigenen spezifischen Merkmale und Auswirkungen. Eine frühzeitige Erkennung, eine angemessene Diagnosestellung und eine geeignete Behandlung wie Psychotherapie, Medikation und unterstützende Maßnahmen können dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es ist wichtig zu betonen, dass psychische Erkrankungen behandelbar sind und Unterstützung, Verständnis und Empathie für Betroffene eine große Bedeutung haben.

Studierende mit psychischen Beeinträchtigungen sind meist nicht erkennbar, bilden jedoch die größte Gruppe innerhalb von Studierenden mit Beeinträchtigung. Aufgrund der großen Bandbreite an zugrundeliegenden Störungsbildern ist die Gruppe sehr heterogen.

 

  1. Expertin: Frau Dr. Verena Dresen – Klinische Psychologin und Neuropsychologin

Wir haben nun bereits einiges über Psychische Erkrankungen und ihre häufigsten Ausprägungen gelernt. Aber, wir wollen noch mehr erfahren über dieses sehr sensible Thema, insbesondere im Kontext Studium an der Uni Innsbruck. Und aus diesem Grund haben wir für die heutige Podcast-Folge eine auf diesem Fachgebiet sehr erfahrene und kompetente klinische Psychologin und Wissenschaftlerin eingeladen, die uns bestimmt viele Einblicke geben kann.

Frau Dr. Verena Dresen, nochmal vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben und heute hier bei uns dabei sind.

Thomas: Ich würde vielleicht gleich mal mit einem Statement starten: In einem kürzlichen Beitrag des ORF wurde genannt, dass jede vierte Person in Österreich an einer psychischen Erkrankung leidet.

(1) Warum gibt es in der heutigen Zeit so viele Menschen mit psychischen Problemen und Beeinträchtigungen?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Grundsätzlich hat es psychische Erkrankungen und Probleme eigentlich schon immer gegeben. In der heutigen Zeit gibt es ein gesteigertes Bewusstsein für und eine bessere Aufklärung über psychische Erkrankungen. Dadurch kommt es auch zu einer höheren Inanspruchnahme von klinisch psychologischen, psychotherapeutischen oder medizinischen Leistungen. Das könnte einem das Gefühl vermitteln, es gibt einfach mehr psychische Probleme oder Erkrankungen. Richtig ist, dass sich Menschen heutzutage auch gestresster fühlen. Stresssituationen können zahlreiche Ursachen haben und in weiterer Folge auch zu psychischen Problemen führen. Ein Beschleuniger war sicher auch die Corona-Pandemie mit gesellschaftlichen Herausforderungen, auf die man nicht vorbereitet war und die mit ganz großen Einschränkungen im Alltag, aber auch mit Unsicherheit, Stress und Sorgen verbunden waren. 

Thomas: Und kann man das pauschal sagen, wo die Ursachen psychischer Erkrankungen liegen, etwa von Depressionen, Angststörungen? 

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Pauschal kann man hier keine Antwort geben. Wir gehen davon aus, dass es Anlage-Umwelt-Faktoren sind. Also dass es genetische, biologische Faktoren gibt, aber natürlich auch psychische, umweltbezogene Bedingungen. Das kann ein für die Person traumatisierendes Erlebnis sein, Stress im Lebensalltag, Schwierigkeiten im Privatleben oder im beruflichen Umfeld, die schlussendlich diesen enormen Druck verursachen und zu einer möglichen diagnostizierbaren psychischen Störung führen. 

Thomas: Mit welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen werden Studierende, die an einer psychischen Krankheit leiden, besonders häufig konfrontiert?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Grundsätzlich ist es so, dass Studieren ein sehr hohes Maß an Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Organisation bedeutet. Wenn ich natürlich schon Schwierigkeiten habe, kommen diese Anforderungen noch einmal dazu und können meine Ressourcen komplett erschöpfen. Zusätzlich kommt ein hohes Maß an Anonymität hinzu. Man muss sich erst einmal ein neues soziales Netzwerk schaffen und auch der soziale Rückhalt oder die soziale Gruppe ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren. Und das kann dann für betroffene Studierende sehr, sehr schwierig werden. Leider gibt es immer noch zu wenig Wissen über psychische Störungen und auch den Umgang damit. 

Thomas: Wie kann das universitäre Lernen und Lehren gerechter und barrierefreier gemacht werden unter Berücksichtigung der psychischen Gesundheit der Studierenden/ Lehrenden? Welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen gibt es an der UIBK?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Ja, grundsätzlich durch Aufklärung über den Umgang und über die psychischen Erkrankungen selbst, auf der einen Seite bei den betroffenen Personen aber natürlich ganz wichtig auch bei den anderen Studierenden oder auch bei den Lehrenden. Unterstützungsmaßnahmen können die betroffenen Personen selbst betreffen. Zum Beispiel gibt es an der Universität Innsbruck das Büro der Behindertenbeauftragten als Anlaufstelle für betroffene Personen, dann gibt es unser Projekt S-AAL, wo wir Studierende zum Beispiel auch eine Diagnose ermöglichen. Dann gibt es die psychologische Studierendenberatung von der Uni Innsbruck selbst, das Body Mentoring System als Angebot, das grundsätzlich für alle Studierende gilt, welches aber vor allem Studierende mit psychischen Problemen und Schwierigkeiten in Anspruch nehmen. Und es gibt auch einige Selbsthilfegruppen von betroffenen Studierenden, die auch unter den Studierenden Unterstützung anbieten. 

Thomas: Gibt es spezielle Lernstrategien für Studierende mit psychischen Beeinträchtigungen?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Da geht es vor allem um die Metakognitiven Lernstrategien, das heißt alle Strategien, die sich mit dem Lernprozess an sich auseinandersetzen. Welche Struktur brauche ich zum Lernen, wie organisiere ich das Lernen, wie kann ich mich selbst im Lernprozess überwachen. Dabei ist es wichtig diese Schwierigkeiten selbst zu identifizieren und sich frühzeitig Hilfe zu holen, zum Beispiel die soziale Unterstützung durch Kommiliton:innen, aber auch Prokrastinationstraining oder das Etablieren von Lernroutinen. 

Thomas: Sie forschen unter anderem im Bereich des Stress- und Leistungsdruckerlebens bei Jugendlichen und jungen Menschen im akademischen Bereich.

Inwiefern wirken diese Faktoren (Stresserleben und Leistungsdruck) auf die Belastung der psychischen Gesundheit junger Menschen und die Entstehung von Panik- und Angststörungen?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Stress versetzt den Körper grundsätzlich in Alarmbereitschaft. Und wenn man das auf Dauer erlebt, resultiert das in körperlichen oder psychischen Symptomen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlafprobleme, ständiges Gedankenkreisen um Dinge, die uns beschäftigen und uns Sorgen bereiten. Zusammengafeasst: Wenn man diese Symptome erlebt auf Dauer, führt das zu einer extremen Erschöpfung, verbunden mit Sorgen und Ängsten die damit einhergehen und dem Gefühl dem ganzen nicht mehr gewachsen zu sein. Dann ist man angeschlagen, emotional nicht mehr leistungsfähig, die Schlafprobleme fordern auch noch mal so ihren Tribut und das Ganze endet in einem Teufelskreis, aus dem man selbst sehr schwer rauskommt. Zusätzlich haben wir ein gesellschaftspolitisches Thema, dass wir einer sehr leistungsorientierten Gesellschaft leben und Leistung sehr oft mit Wertigkeit einer Person zusammenhängt. Also dass man nur etwas wert ist, wenn man auch Leistung zeigt. Ist dem nicht so, weil ich eben Stress erlebe, nicht mehr leistungsfähig bin, geht es mit einer sehr starken Abwertung der eigenen Person einher, was wieder in Angst oder Panik münden kann. 

Thomas: Ist das bestehende Modell der schulischen und akademischen Lehre im Jahr 2024 noch zeitgemäß?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Das kann man sehr schwer so mit einem Satz beantworten, weil viele unterschiedliche Faktoren zusammenkommen. Und es gibt viel Forschung und viel Wissen über diese Faktoren. Auf der anderen Seite ist es in der Lehre vielleicht auch noch nicht angekommen, dieser Spalt zwischen wissen, was schon vorhanden ist und wissen, wie es auch angewendet wird. Man bräuchte viel mehr Wissen darüber, wie Lernen beeinträchtigt werden kann, was sich alles auswirkt und wie diese Wechselwirkungen auch wiederum zwischen diesen Faktoren aussehen. Das heißt, wie ist die Prüfung gestaltet, was macht es mit dem Individuum, wie ist die Prüfungssituation selbst, was kommen für Inhalte vor? Wir Menschen sind sehr heterogen: Was für den anderen einen vielleicht sehr schwierig sein kann und eine Herausforderung darstellt, ist für die andere Person wiederum keine. Für die Lehrenden ist es deswegen schwierig, das Ganze auch umzusetzen. Ich würde mir in dem Fall mehr Möglichkeiten wünschen, individuell auf Personen eingehen zu können. 

Thomas: Wo liegt der Zusammenhang zwischen der zunehmenden Nutzung von Social Media und dem Erleben von Stress sowie der Entstehung von Angststörungen, die wiederum Phobien auslösen?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Es gibt ganz viel Forschung mittlerweile zu Social Media und auch die Erkenntnis, dass sich das negativ auswirken kann. Wir haben allerdings auch gesehen, dass Social Media Potenzial hat zum Beispiel für soziale Interaktionen, gerade in der Corona-Pandemie hat das auch positive Auswirkungen gezeigt. Generell ist noch nicht so viel auch hier wieder über diese Auswirkungen beziehungsweise Wechselwirkungen bekannt. Klar ist, dass Social Media Nutzung davon abhängt, wie häufig, wieviel Zeit, welche Inhalte und so weiter konsumiert werden, was zum Beispiel mit einem sozialen Rückzug einhergehen kann, so dass man durch intensive Nutzung von Social Media eine Internetsucht oder Social Media Sucht entwickeln kann. Weiters gibt es die Problematik, dass man das Gefühl vermittelt bekommt, etwas zu verpassen, wenn man nicht daran teilnimmt. Ein großes Thema bezüglich Angst ist, dass auf Social Media jeder alles komplett ungefiltert posten kann, unabhängig davon, ob das für die konsumierende Person geeignet ist oder nicht. Von diesen Inhalten können vulnerable Personen durch zu starken Konsum betroffen sein, so dass es für sie auch schädlich sein und diese psychischen Probleme noch verstärken kann. 

Thomas: Studierende mit psychischen Erkrankungen sind meist nicht erkennbar, bilden aber die größte Gruppe innerhalb von Studierenden mit Beeinträchtigung.

Wie können wir als Universität und als Privatpersonen das Bewusstsein für psychische Erkrankungen steigern? Wie können wir die psychische Gesundheit fördern?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Das  Wichtigste ist eigentlich zu einer Einstigmatisierung beizutragen, weil wenn man sich die Lebenszeitprävalenz für psychische Erkrankungen anschaut, kann es eigentlich fast jeden von uns treffen. Das heißt, psychische Probleme und Erkrankungen können jeden betreffen, so wie eine Erkältung, eine Grippe oder eine andere Erkrankung. Und das hat nichts mit Verrücktsein zu tun oder mit einer Wertigkeit einer Person. Dann kann man natürlich sich selbst entsprechend informieren und auch andere darüber informieren, aktiv sein und auch hinzuschauen, hinzuhören, wenn jemand Schwierigkeiten oder Probleme hat und nicht wegzuschauen, wie es ganz häufig eben passiert. Auch soziale Unterstützung anzubieten, also viel mehr hin zum Miteinander und nicht zum Gegeneinander. Und was können wir selbst tun: Grundsätzlich einmal aktiv Stress vermeiden. Das kann für jeden unterschiedlich ausschauen, da müssen wir einfach selbst auch ein bisschen auf uns hören, was würde hier helfen und nicht auch noch selbst Stress erzeugen. 

Thomas: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie an der Universität ändern?

Frau Dr. Dresen (Aussagen gekürzt): Mein größter Wunsch wäre, dass alle bisherigen Maßnahmen aufrechterhalten bleiben und dass da auch das Angebot weiter ausgebaut wird. Und dass es mehr soziales Miteinander gibt, weil dieser soziale Rückhalt einfach so enorm wichtig ist zur Vorbeugung aber auch in der Unterstützung von psychischen Problemen. 

Thomas: Tolles Abschlussstatement. Vielen Dank Frau Dr. Verena Dresen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Damit sind wir auch schon am Ende dieser Folge von „Hörsaal ohne Barrieren“ angelangt. Vielen Dank Frau Dr. Verena Dresen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch! Vielen Dank fürs Zuhören. In der nächsten Folge wollen wir alle möglichen Tipps und Tricks besprechen, die Studienanfänger:innen mit einer Behinderung oder Mobilitätseinschränkung den Einstieg in den Studienalltag erleichtern können. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal und ciao.

 

Folge 8: Tipps und Tricks

Du studierst und hast eine Behinderung? Hier kommen Tipps und Tricks von der Behindertenbeauftragten Bettina Jeschke.

Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts “Hörsaal ohne Barrieren”.

Das hier wird vorerst die letzte Folge dieses Podcasts sein, erstmal vielen Dank an alle, die so lange durchgehalten haben und uns noch zuhören bzw. mitlesen!

Heute geht es nicht wie bei den anderen Folgen um eine bestimmte Beeinträchtigung, diese Folge ist eher eine Infofolge, in der wir euch zum einen die Behindertenbeauftragte der Uni, Bettina Jeschke, vorstellen, die ein bisschen was über sich und ihre Aufgabe an der Uni erzählen wird und außerdem mit Bene reden. Er ist Jura-Student an der Uni und ist besonders an Rechten für Leute mit Behinderung interessiert. Bene hat selber auch eine Sehbehinderung und kann ein paar Tipps für den Unialltag geben.

 

Bettina Jeschke:

– setzt sich für ein chancengleiches Studium für Studierende mit Beeinträchtigung ein

– Aufgabenbereich umschließt unter anderem modifizierte Prüfungsmodalitäten (z.B. Studierende/r bekommt mehr Zeit, einen ruhigen Raum, größere Schrift, gewünschte Lichtverhältnisse etc.)

Kontaktaufnahme am besten durch E-Mail mit anschließendem persönlichem Kennenlernen

(Mail: bettina.jeschke@uibk.ac.at )

 

Tipps und Tricks:

– Bene nutzt oft den Digitalisierungsdienst der Uni, der z.B. Bücher zu einer PDF-Datei umwandelt:

https://www.uibk.ac.at/de/ulb/medien-suchen-und-nutzen/digitales-angebot/digitalisierungsservices/digitalisierung-fuer-blinde-und-sehbehinderte-studierende/

– dazu Mail an Thomas Krismer schreiben (Mailadresse: thomas.krismer@uibk.ac.at )

– außerdem gibt es einen Blindenarbeitsplatz an der Uni, den Zugangschip bekommt ihr von der Behindertenbeauftragten (der Blindenarbeitsplatz ist im ersten Stock im GEIWI-Turm, einfach der Leitlinie folgen)

– zudem hat jeder Campus einen Regenerationsraum, auch da bekommt ihr den Zugangschip (für eine hinterlegte Kaution) bei der Behindertenbeauftragten

– Studierende mit Beeinträchtigungen können Tutoren/innen beantragen, dabei handelt es sich um höhersemestrige Mitstudierende des jeweiligen Studienganges. Auch hier an Bettina wenden.

– Anfrage nach Prüfungsmodalitäten am besten so früh wie möglich schicken (im Optimalfall drei Wochen vorher)

 

Frage an Bene: „Welche rechtlichen Aspekte bezüglich Behinderungen an der Uni sind deiner Meinung nach besonders wichtig?“

– bei der Mindestleistung an ECTs (z.B. innerhalb der ersten vier Semester 16 ECTs) gibt es für Studierende mit Behinderung Ausnahmen, allerdings müssen die Studierenden einen Grad der Behinderung von mehr als 50% aufweisen, was im Behindertenausweis steht und durch Gutachten festgestellt wird. Ebenso bei der Mindestsemesteranzahl. Studierende mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50% sind ab einer gewissen Zeit vom Studienbeitrag befreit.

Frage an beide: „Wie könnte die Uni noch inklusiver gestaltet werden, und welche Veränderungen wünscht ihr euch für die Zukunft?“

Bettina:

– von Anfang an mehr Sensibilisierung der Lehrenden für das Thema Studieren mit Behinderung
„Immer den Menschen sehen“

Bene:
– mehr Offenheit und innovative Wege, um die Uni barrierefreier zu gestalten
– eine Universität, die nicht nur das Mindestmaß erfüllt, sondern eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft darstellt
Menschen mit Behinderung als Menschen sehen, sie sind weder „Helden“, noch brauchen sie Mitleid. Sie sind normale Menschen mit speziellen Bedürfnissen.

 

Geography University Innsbruck

DOI: …

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Die Vertiefungsrichtung “ENABLING Spaces: Zur Aushandlung alltäglicher, ermöglichender und inklusiver Räume” wurde von Prof. Dr. Tabea Bork-Hüffer, Johannes Melchert und Jan Misera geleitet und im Rahmen des Masterstudiums “Geographie: Globaler Wandel – Regionale Nachhaltigkeit” am Institut für Geographie der Universität Innsbruck durchgeführt. Im Rahmen der dreisemestrigen Spezialisierung entwickelten die Studierenden eigene Forschungsfragen und wandten ein Mixed-Methods-Design an.

Authors & Creators:

Vesna Coutureau, Thomas Gfrerer, Luisa von Gostomski, University Innsbruck

Prof. Dr. Tabea Bork-Hüffer

Geographer, University of Innsbruck

Johannes Melchert

Geographer, University of Innsbruck

Jan Misera

Geographer, University of Innsbruck

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